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Reebok Spartan Race Oberndorf

Was für eine Kulisse, was für eine Veranstaltung und was für ein wahnsinniges SpartanRace. Am vergangen Samstag fand in der 2000 Einwohner Gemeinde Oberndorf in den Kitzbühler Alpen das Reebok SpartanRace 2016 statt. Über 6000 Teilnehmer auf den drei bzw. vier Distanzen: Sprint, Super, Beast und dem Hurricane Heat. Es war ein Trifecta-Wochenende. Das heißt man absolviert alle drei Distanzen an einem Wochenende. Ich beschränkte mich jedoch nur auf das Beast-Race. Dieses war auch angesichts meiner Knochenhautentzündung ausreichend.

 

Bereits im Vorfeld wusste ich das dies der härteste Wettkampf werden wird, den ich bis heute absolviert haben werde.

Es war ein starkes Feld am Start mit Weltmeister und Weltmeisterin, EM-Teilnehmern und einigen SpartanRace-Siegern aus verschiedenen Ländern. Meine Ziele waren die Top20 in der Elite, eine Top5-Platzierung in der Altersklasse sowie in der Nationenwertung.

Nach einer kurzen Nacht startete ich 9 Uhr im Elite-Heat unter tosendem Applaus der Zuschauer. Gleich zu Beginn ging es einen Anstieg hinauf, dann über sieben Eskaladierwände und hinein in den Steinbruch. Zunächst erstmal bis zum tiefsten Punkt, ab durch das Wasser, welches gefühlt 5°C oder weniger hatte und wieder hinaus. Nun galt es auf jeder Ebene ein Hindernis zu absolvieren. Nach dem Tractor Pull kam die Bucket Brigade, bei der ein Eimer mit Kies befüllt werden und anschließend vor dem Körper eine größere Runde durch den Steinbruch getragen werden musste. Leider hielten sich einige Athleten nicht an die Regeln und trugen ihn auf der Schulter. Dies führt eigentlich zu einer Burpee-Strafe, jedoch griffen die Marshalls nicht durch. Nach einigen rutschigen Aufstiegen, teilweise fast senkrecht, den Hurdles und dem Hercules Hoist ging es nun mit einem gleichmäßigem Anstieg aus dem Steinbruch.

Oben angekommen wartete sozusagen mein Angst-Hindernis auf mich. Beim Spear Throw musste ich in München meine ersten 30 Burpees machen. Ich atmete durch, legte mir den Speer in die Hand und warf. Yes Treffer! Ich war Happy, doch ausruhen war nicht. Es folgten einige technische Trails im Wald durch Bach und Unterholz mit Tire Carry, Klettern über ein Netz, balancieren über aufrechtstehende Holzstämme mit etwa 10cm Durchmesser und dem Log Carry, welcher mir Probleme bereitete aufgrund des Untergrundes. Ich musste meine zwei Mitläufer ziehen lassen, jedoch befand ich mich zu dieser Zeit noch in den Top20. Für etwa einen Kilometer lief ich zunächst einmal alleine.
Ein langer Weg führte aus dem Wald hinaus Richtung Kitzbühler Horn. Auf der freien Fläche sah ich die zwei vor mir liegenden Spartaner. Mit meinem schnellsten Kilometer von 3’50min. holte ich auf und konnte an der Slackline einen der beiden sowie zwei andere die Burpees machten überholen.
Nach einer Flussdurchquerung ging es einen 500m langen Wasserkanal hinauf, der aufgrund des Wassers und der Algen sehr rutschig war. Anschließend ähnelte die Strecke einer Wildwasserwanderung. Zwei Spartaner überholten mich. Es folgte Anstieg nach Anstieg. Solche Anstiege findet man nicht in Erfurt und erst recht nicht in Leipzig. Die Wade krampfte kurz und ich befürchtete, dass ich pausieren muss, aber es kam nicht, wie es hätte kommen müssen. Nach der Traverse Wall musste ich unter den Stacheldraht, und dann ging es nach etwa 12km den Ski Hang hinauf. Oben angekommen staunte ich nicht schlecht. Schon wieder der Spear Throw. Im Burpee Area machten schon einige ihre Burpees. Ich atmete wieder tief durch und ließ mir diesmal etwas mehr Zeit, da mein Herzschlag ziemlich schnell war. Ich setzte an und fokussierte das Ziel. Zweimal die Wurfbewegung und dann der Wurf...
Ein Treffer, ein Schrei von mir und die Zuschauer auf der Alm jubelten. 4 oder 5 Plätze machte ich an dieser Stelle gut. Zu zweit ging es dann weiter bis zur Mittelstation auf 1300m. Dort wartete der Bergsee auf uns. Wir freuten uns beide, denn eine Abkühlung hatten wir echt nötig. Am See bekamen wir die Platzierung angesagt: Platz 13 und 14. Bis dahin hatte ich keinen Überblick mehr und war nun happy mit dieser Neuigkeit.
Mit etwas Vorsprung kletterte ich aus dem Wasser. Doch dort ging es erstmal nicht weiter. Wieso? Beim SpartanRace ist nicht nur Kondition, Geschicklichkeit und Kraft gefragt, sondern auch der Kopf ist gefragt. Auf dem Memory Board stehen Nummernfolgen die den Nummern 01-99 zugeordnet sind. Meine Startnummer war die 40608 und die Zahlenfolge „Bravo 056 2842“. Auch hier nahm ich mir die Zeit zum Einprägen, ließ meinen Vorsprung schwinden und lief erst los, als ich überholt wurde. Gemeinsam liefen wir dann aber wieder ein Stück den Berg hinauf. Doch ich hatte die Kraft und konnte einige Teile Laufen die Andere gingen. Nach einer Inverted Wall konnte ich mich nun deutlich absetzen und wieder Plätze gut machen. Oben angekommen befand ich mich nun auf Platz 11 und legte bergab noch einen Zahn zu. Nach der Überquerung einer 8’ Wall und dem Tarzan Swing sah ich Platz 10 vor mir. Dort beginnen die EM-Qualifikationsplätze. Beim Sandbag Carry schob ich mich vor auf 10. Ein 25kg Sandsack musste den Hang hinaufgetragen werden, aber es war kein flacher Hang. Es war der mit steilste Teil des Rennens finde ich. Auf dem Rückweg zur Sandsack-Abgabe verlor ich dann aber wieder vier Plätze, denn mein Fußgelenk machte sich bemerkbar. Auf richtigen Wegen ließ es sich aber noch gut Laufen. Nachdem dann aber der Chain Carry, 30kg+, kam, verlor ich erneut einen Platz und nun schmerzte es auch ab und zu auf richtigen Wegen. Nach einer weiteren 8’Wall ging es wieder auf Trials den Berg hinab. Wieder verlor ich zwei Plätze. Den Balance Beam absolvierte ich problemlos. Nun ging es wieder in einen Wasserkanal. Hier war es diesmal einfacher, da man auf den Schuhen immer ein paar Meter rutschen konnte. Zwischendurch gab es immer mal ein paar Brücken, unter denen wir durchkrabbeln mussten. Unten angekommen folgte noch der Atlas Carry: eine Steinkugel etwa 25kg+ 50m hin-, 5 Burpees und 50m zurücktragen. Anschließend ging es dann durch das Gebüsch und den Fluss zurück zum Veranstaltungsgelände. Direkt vor den neun letzten Hindernissen wurde dann der Code vom Bergsee abgefragt. Auch hier musste ich in München 30 Burpees machen. Diesmal aber nicht!

Nun ging es noch einmal los. Tyrolean Traverse, Rope Climb, Klettern über eine „Holzpyramide“, Multi Rig, Barbed Wire Crawl, Rolling Mut, eine ansteigende Holzwand mit herunterfließendem Wasser absolvieren, den Cargo Container überwinden und zu guter Letzt der Sprung über das Feuer.

 

 

Total fertig lief ich mit einem Lächeln über die Ziellinie. Mir liefen ein paar Tränen über das Gesicht, denn ich realisierte was ich gerade gemacht habe. Ich bin in den 3:40h an und über meine Grenzen gegangen bei dem härtesten Wettkampf, den ich bis heute absolviert habe. Nach dem Ganzen hin und her in der Woche zuvor, fiel die Last von mir ab. Es war der Wahnsinn! 


Aroo! Aroo! Aroo!

 

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